Unsere Chronik - Schützengesellschaft Horn in Lippe von 1544 e.V.

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Die Chronik

Horner Schützen feiern ihr erstes Schützenfest.

Wie bei den übrigen lippischen Städten und Gemeinden liegen auch die Ursprünge des Horner Schützenwesens im dunkeln.


Abb. ältester vorhandener Schützenvogel in Lippe aus dem Jahre 1575

Nach heutigen Erkenntnissen muß man davon ausgehen, daß der Beginn des Schützenwesens irgendwo zwischen der Gründung der Stadt (1248) und der ersten urkundlichen Erwähnung der Schützengesellschaft (1544) zu suchen ist, heißt es doch in einem Landtagsprotokoll vom 28. Juni 1544, “daß die Schützen zu Horn meinen gnädigen Herrn zu einer Schützengesellschaft gebeten haben und daß denselbigen aus diesem Anlaß eine Kuh zugewendet wird”.

Hier ist erstmals urkundlich nachweisbar von der Organisationsform einer Schützengesellschaft die Rede, die Schützengesellschaft Horn hat deshalb das Jahr 1544 als ihr Gründungsjahr angenommen.

Waren die Schützen der damaligen Zeit zunächst zur Landverteidigung (bis 1697) eingesetzt, erfüllten sie später polizeiliche Aufgaben, wie es aus nachfolgerndem Auszügen aus der Registrature Archivalis der Stadt Horn hervorgeht:

“Am 18. Juni 1658 erging vom Landesherren ein Befehl an den Richter eines Bürgers Sohn sogleich zu arrestieren und wohl zu verwahren. Am 19. Juni erging ein Befehl an den Drosten und Amtmann, den Arrestierten sogleich gefänglich nach Detmold zu liefern. Am 24. Juni übersandte der Magistrat eine Designation der aufgegangenen Kosten wegen des zu Horn Arretierten und bat um Beförderung der Zahlung (einen Schützen täglich 6 Groschen ohne, was sie vertrunken, ferner ein Schließgeld von 24 Groschen)”

“Am 1. März 1682 kam ein Paderbornischer Reiter ohne Paß nach Horn. Er sollte deswegen auf Requisition des Magistrats von dem Richter arretiert werden. Der Arretierte wurde in Horn von Schützen bewacht. Er wurde 3 Tage arretiert und auf das herrschaftliche Haus abgeliefert. Der Magistrat schickte am 5. März die Kostenrechnung (für jeden Schützen täglich 8 Groschen)”

Dies waren nur zwei Beispiele, die aber deutlich machen, daß die Schützen von der Stadt in Anspruch genommen wurden. Neben diesen Aufgaben widmeten sich die städtischen lippischen Schützengesellschaften dem gewohnten Schützenbrauchtum und dem Schießen als Sport.

Über die personelle Stärke der Schützen in Horn ist erstmals 1653 etwas nachzulesen: In einem Verzeichnis der zum “Ausschuß” brauchbaren Bürger zu Horn vom Jahre 1653 heißt es: dieselben machen in allem 163 Personen, ohne Witwen, alte Männer, Schulmeister, Stadtdiener und Pförtner, deswegen sich die Anzahl der Schützen nicht über 60-70 Mann erstrecken konnte.

Die älteste Personalliste, die im Stadtarchiv vorliegt, datiert vom 2. April 1699, danach bestand die Schützengesellschaft aus 6 Rotten zu je 16 Mann einschl. Rottmeister und der Compagnieführung, bestehend aus einem Hauptmann, einem Leutnant, einem Fähnrich, einem Richter, einem Schreiber, zwei Beysitzern, zwei Schaffern und einem Schützendiener.

Abb.Hart


1701 gab es bereits 7 Rotten einschl. Schlachtschwertierern 1706 sind ebenfalls 7 Rotten plus Vorstand verzeichnet. 1823 bei 7 Rotten wurde aus dem Hauptmann ein Capitain und es kamen 2 Sergeanten dazu 1875 waren es wieder 6 Rotten. Auch noch vor 120 Jahren mußte die Wahl des Schützenvorstandes durch den Magistrat genehmigt werden, wie nachstehendes Schreiben deutlich macht:

“An den Schützenvorstand, hier! Die gestern ausgeführte Wahl des Schuhmachers Carl Schierenberg vom Nordthor zum Capitain der Schützencompagnie, sowie die weitere Ergänzungswahl des Vorstandes an Stelle der ausgeschiedenen, S. Capelle und J. Geise, wird hiermit genehmigt.”

 Horn, 13. März 1876
     Der Magistrat S. Capelle

Neben den geschilderten Aufgaben kam die Geselligkeit aber auch nicht zu kurz, wurde doch bis 1774 jährlich ein Schützenfest gefeiert. Mit Datum vom 17.06.1777 wurde durch Resolution der gräflichen Verwaltung den Hornschen Schützen die jährliche Abhaltung eines Schützenfestes untersagt. Es wurde darauf hingewiesen, daß die Hornsche Schützencompagnie nur alle 3 Jahre das Freischießen abhalten darf.

Abb. Mense


Wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts diese Schützenfeste gefeiert wurden, ist nicht genau bekannt, es gibt hierüber in alten Unterlagen keine Aufzeichnungen. Sicher ist, daß Pfingsten immer der höchste Feiertag in Horn war, an dem das Schützenfest stattfand. Über den Umfang und die Dauer kann man nur Vermutungen anstellen. Es ist aber davon auszugehen, daß es mehrere Tage dauerte und alle drei Jahre gefeiert wurde. Dieser dreijährige Rhythmus geht eindeutig aus einem alten Hauptbuch hervor, worin die Einnahmen und Ausgaben verzeichnet wurden.


Der Festplatz, auf dem das Königsschießen stattfand, lag hinter den Externsteinen auf herrschaftlichem Grund. Es mußte aber immer wieder die Genehmigung von der Fürstichen Verwaltung eingeholt werden, um das Fest dort wieder abhalten zu können. Die eigentliche Tanzveranstaltung auf dem Rathaussaal begann sehr früh (18.00 Uhr) und endete sehr spät (05.00 Uhr. Die Teilnahme an diesen Schützenfesten war für die Mitglieder Pflicht! Neben diesen Schützenfesten gab es aber noch andere Tanzvergnügen:
Die “Jungen Schützen” (Unverheiratete) hatten ihr jährliches Tanzvergnügen immer am 2. Weihnachtstag. Die “Alten Schützen” hatten sich auf Sylvester festgelegt. Die Gebühren für diese Tanzlustbarkeiten gingen in die Armenkasse!



Ein vollständiges Programm des Schützenfestes in Horn ist erstmals aus dem Jahre 1902 erhalten. Da in den folgenden Jahren bis zum Beginn des 1. Weltkrieges der Ablauf des Festes gleich ist, ist anzunehmen, daß auch in den Jahren zuvor die Feste ähnlich gefeiert wurden. Das letzte Schützenfest vor dem 1. Weltkrieg wurde 1914 gefeiert. Es dauerte dann bis zum Jahre 1926, bis wieder ein Schützenfest in Horn gefeiert wurde. Wenn auch im Jahre 1926 erst viele Bedenken und Schwierigkeiten ausgeräumt werden mußten, um nach dem “Großen Krieg” wieder ein traditionelles Schützenfest in Gang zu bringen, so war die Weiterführung dieses Festes 1929 kein Problem mehr. So ist es gut verständlich, wenn berichtet wird:

“Am 2. Pfingsttag zur Mittagsstunde rückten 4 junge und 4 alte Kompagnien, dazu das alte Rott der Schlachtschwertierer, auf dem Marktplatz an. Hier begrüßte der ehrwürdige Kapitän, Lohgerbermeister Cornelius Schierenberg die Schützen in freundlichster Weise. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß dieses Fest in alter Tradition den würdigsten Verlauf nehmen möge…
In Horn feiern die Schützen. Und da zu allem die Sonne herrlicher denn je leuchtet, kann man nur sagen, daß es ein Fest in des Wortes wahrster Bedeutung ist.”



Trotz der sich verändernden politischen und wirtschaftlichen Lage wurden in den folgenden Jahren die Schützenfeste 1932, 1935 und 1938 gefeiert. 1941 wäre dann das nächste Schützenfest zu feiern gewesen. Doch dieses fand nicht statt. Die Männer, die auf die Königsscheibe schießen sollten, versahen ihren Dienst an der Waffe in fremden Ländern.

Viele Widerstände waren zu überwinden, bis dann 1953 in Horn wieder ein Schützenfest gefeiert wurde. In der Lippischen Landeszeitung wurde am 21. Juni 1952 folgender in Auszügen wiedergegebene Brief veröffentlicht:


“Wenn jemand gefragt wird, der auf einer Festlichkeit war, na wie war´s? und es war besonders schön, so lautet die Antwort: Mensch es war ein Schützenfest! “Schützenfest” ist eben ein Begriff in der Sprache des Volkes. Was ist der tiefere Sinn? Schützenfeste sind seit Jahrhunderten in vielen Gegenden unseres Vaterlandes wahre Volksfeste. Sie sind vom alten deutschen brüderlichen Schützengeist, der wieder auf teils uralten Überlieferungen fußt. Es ist deshalb auch trügerisch zu sagen, in unserer heutigen, demokratischen Zeit passe dieser alte Zopf nicht mehr, er sei durch die veränderten Verhältnisse überholt. Wer so urteilt, beurteilt die Einstellung des großen Teils des Volkes falsch. Gerade die feierliche Proklamation des Schützenkönigs mit allem “Drum und Dran” gibt dem Schützenfest das alte volkstümliche Gepräge. Es wird deshalb das unbedingte Festhalten an diesem alten heimatlichen Brauchtum und an diesen alten Überlieferungen von dem überwiegenden Teil des Volkes gefordert… Es feiern alt und jung, arm und reich. Konfessionelle, gesellschaftliche und politische Gegensätzlichkeiten gibt es nicht. Kein Fest ist deshalb besser geeignet, die brüderliche Gemeinschaft aller Schichten der Heimatstadt zu pflegen… Deshalb feiern wir Schützenfest.”



Das mag sich zwar schwülstig und antiquiert vorkommen. Doch die letzten 50 Jahre haben bewiesen, daß Schützenfest, die in Form eines Volksfeste gefeiert werden, ein fester Bestandteil unseres kulturellen Lebens sind.

Der dreijährige Rhythmus wurde entsprechen der alten Tradition mit einer Ausnahme beibehalten: Um im Jahre 1994 das 450-jährige Bestehen feiern zu können, wurde 1994 einmalig im Abstand von 2 Jahren wieder ein Schützenfest gefeiert.


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